Sie sind hier: Die Winterreise
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Schuberts „Winterreise“ ist der bekannteste romantische Liederzyklus. Rolf-Mares-Preisträgerin Inken Rahardt („Tolomeo“) bringt das Werk szenisch auf die Bühne: Ein Mann und eine Frau, ein Sänger und eine Sängerin, blicken zurück auf ihre Liebe. Sie erinnern sich der schönen gemeinsamen Zeit und trauern um das Scheitern ihrer Beziehung. Der Zuschauer wird dabei zum Begleiter dieser beiden Wanderer aus Liebe.
„Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“. Mit diesen berühmten Versen beginnt Franz Schuberts „Winterreise“. Es ist der bekannteste romantische Liederzyklus. Schubert vollendete ihn im Herbst 1827, ein Jahr vor seinem Tod.
Inken Rahardt, Regisseurin und künstlerische Leiterin des Opernlofts, bringt die 24 Lieder in einer szenischen Bearbeitung auf die Bühne. Ihre Interpretation macht den Zuschauer zum Begleiter dieser Reisenden.
Auf den 24 Stationen ihres Weges erleben die Liebenden starke Stimmungsgegensätze – von überschwänglicher Freude bis hin zu hoffnungsloser Verzweiflung. Schuberts einfühlsame Musik verstärkt die Gefühle auf wunderbare Weise. Und sie lädt Sie ein, mit uns auf „Winterreise“ zu gehen.
Das Opernloft erweitert mit dieser inszenierten „Winterreise“ sein Spektrum. Nicht nur Opern, sondern auch andere klassische Vokalwerke werden hier auf die Bühne gebracht.
Unterwegs mit Franz Schuberts Liederzyklus
von Klaus Witzeling
Inken Rahardt inszenierte im Opernloft "Die Winterreise" als wehmütige Stadtfahrt
Klassische Liederabende sind im Konzertangebot selten geworden. In Ruhe zuzuhören, dazu fehlt vielen Menschen die Geduld oder die Zeit. Das Opernloft präsentiert nun Franz Schuberts romantischen Lieder-Zyklus "Die Winterreise" in einer szenischen Fassung von Inken Rahardt.
Der Regisseurin ist ein mutiges und ungewöhnliches Projekt gelungen: Sie holt das lyrische Meisterwerk aus der Biedermeierzeit in die Gegenwart nach Hamburg: Ein junges Paar erinnert sich nach der Trennung an seinen Liebesfrühling bei einer alltäglichen Fahrt durch die Stadt, während sie die Orte ihres ersten Kusses, des ersten Glücksrausches wiedersehen.
Die Zuschauer sitzen sich in Reihen zu viert gegenüber. Wie im Bus oder in der Straßenbahn. Sie begleiten die Sopranistin Theresa Derksen und den Bariton Thomas Briesemeister auf der Reise von Liedstation zu Liedstation. Und können auf den Videoscreens in Claudia Weinharts Rauminstallation durch die "Fenster" Alsterufer, Straßen oder den Dom vorbeigleiten sehen. Oft verschwimmt der Ausblick wie bei einem in Gedanken versunkenen Passagier. Er schaut, ohne bewusst zu sehen: auf eine Wasserfläche, einen Baum oder Friedhofsengel, während die innere Stimme in der Zwiesprache mit sich oder dem Partner Vergangenes und Verlorenes zum Klingen bringt.
Im realen Ambiente wirken die Sängerin und der Sänger in der weißen Kleidung seltsam fremd und unwirklich. Erst erklingen ihre Stimmen aus der Ferne, sie nähern sich, geistern durch die Reihen und begegnen sich, ohne sich wirklich zu treffen. Geschickt hält Inken Rahardt die Situation in der Schwebe, kommentiert durch ihre Filme die 24 Lieder.
Die Sänger schaffen es souverän, ohne direkten Kontakt zum (...)Pianisten Markus Bruker präzise in Rhythmus und Tempo zu bleiben. Briesemeister interpretiert mit leicht metallisch, doch nie scharf klingender Stimme, Derksen besticht durch ihre weiche Tiefe und ausgezeichnete Diktion.
Der "fahrende" Zuhörer kommt zur Ruhe.
Alles einsteigen, bitte! Nächste Haltestelle: Melancholie
Passend zum Grau in Grau dieser Jahreszeit präsentiert das Hamburger Opernloft seine Inszenierung der Winterreise von Franz Schubert. Die erlebt das Publikum als Fahrgast in einem Zuschauerraum, der aufgebaut ist wie Sitzplätze im Bus. Zwischen den Zuschauerreihen hängen große Bildschirme. Darauf zeigt leicht verschwommenes Videomaterial die Fahrt vorbei an Innen-Alster und Hamburger Dom und hält glückliche Momente zweier Verliebter fest.
Die Winterreise ist ein schwermütiger Liederzyklus aus 24 Stücken, die von Trennungsschmerz und erloschener Liebe handeln. Die Texte stammen von Wilhelm Müller. Schubert vertonte sie ein Jahr vor seinem eigenen Tod für Klavier und Singstimme.
Regisseurin Inken Rahardt verteilt in ihrer Inszenierung die Singstimme auf ein Liebespaar (Theresa Derksen und Thomas Briesemeister). Das sitzt zu Beginn getrennt voneinander und komplett in weiß gekleidet im Zuschauerraum. Die Distanz zwischen Darstellern und Fahrgästen ist aufgehoben.
Mit glasklaren Stimmen singen sich Derksen und Briesemeister abwechselnd durch die 24 „Haltestellen“. Dabei schweben sie wie Schneeflocken durch das Publikum, wirbeln aufeinander zu und umeinander herum, verlieren sich wieder und verschmelzen am Ende mit dem „Leiermann“ (Pianist Markus Bruker). Rennend, schleichend, tänzelnd und rückwärts gehend, bleibt die Gesangsleistung der beiden Sänger durchweg ausgezeichnet.
Die Winterreise und ihre Darbietung im Opernloft schenken mit ihrer Schlichtheit Raum und Zeit zur Besinnlichkeit, um im Winter anzukommen.
Wencke Nottmeyer