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La Traviata

Mit seiner Traviata landete Verdi einen echten Opernhit: Eine herzergreifende Geschichte verband er mit geigenseligen Melodien, die zu wahren »Schlagern« wurden – wie etwa das »Brindisi«, das Trinklied, aus dem ersten Akt. Dabei lernen sich Violetta und Alfredo kennen – die Edelkurtisane und der Junge aus gutem Hause. Die beiden verlieben sich.

Violetta und Alfredo interpretiert der Regisseur neu. Holzapfel: „Weder gesellschaftliche Moral noch Krankheit sind Auslöser des Konflikts. Es ist die psychische Disposition der Figuren selbst, die sie in die Krise treibt.“

Während Alfredo und Violetta verlorene Kinder ihrer Zeit sind, sozial und emotional verwahrlost, versucht Vater Germont sie zu retten. Ohne Erfolg. Holzapfel: „Violetta und Alfredo verlieben sich in ihre Projektionen des Anderen.“ Nicht in den Menschen.

Das Opernloft spielt Verdis beliebten Klassiker als Oper in kurz in 90 Minuten – mit allen musikalischen Höhenpunkten, die in der italienischen Originalsprache (mit deutschen Übertiteln) gesungen werden. Wir spielen diese Oper mit Kammerorchester.

Kritik Hamburger Morgenpost

Erotik, Liebe und Illusionen

Das Opernloft zeigt eine moderne Version von „La Traviata“

Manch ein Besucher des Opernlofts dachte anfangs wohl, er sei im falschen Stück: Verdis Opernjuwel „ La Traviata“ begleitet von Akkordeon, Klarinette und Klavier – geht das? Es geht!
Wenn man, wie Regisseur Rainer Holzapfel, die Handlung des Originals zu einem Kammerspiel für drei Personen eindampft, wirkt das straßenmusikantische Flair (musikalische Leitung: Markus Bruker) geradezu konsequent. Ebenso konsequent versetzt Holzapfel das Stück in die Gegenwart.
Es spielt in drei nebeneinander liegenden, fast leeren Räumen. Violetta (Darlene Dobisch) stellt ihren Körper im Internet zu Schau und Alfredo (Jan Behnken) verguckt sich in das virtuelle Bild der Frau. Beide finden auch im realen Leben zueinander. Nur Germont, Alfredos Vater (Alexander Schattenberg), ist von der Verbindung wenig angetan und überredet Violetta, diese aufzugeben. Es wird klar: Die Liebe war nur eine Illusion.
Die mutige Lesart des Regisseurs und drei Sänger, die mir ihren anspruchsvollen Partien geradezu über sich hinausgewachsen, ergeben eine rundum gelungene „Traviata“ in nur 90 Minuten!

Sören Ingwersen, 14. Februar 2011

Kritik HamburgTheater.de

Gefühle sind nur Störungen im Betriebsablauf

Drei weiße Würfelkammern stehen nebeneinander auf der Bühne, jeweils durch eine Tür verbunden. In der mittlerer posiert Violetta (Darlene Dobisch) in schwarzroter Spitze vor der Webcam. Alfredo (Jan Behnken) liegt hingerissen vor ihrem Beamer-Bild auf dem Boden seiner Kammer. Rechts wartet Alfredos Vater (Alexander Schattenberg), bieder mit Bierbäuchlein und Schnauzer, still sein Butterbrot essend auf seinen Einsatz als Hüter des Anstands.
"Violetta arbeitet von zuhause aus und bezahlt ihre Steuern", steht in violetten Lettern auf der kleinen Schriftfläche über der Bühne. Sie verdient ihr Geld mit den Fantasien der Männer, die sie gerne bedient. Alfredo aber will aus dieser Fantasie Realität werden lassen. Er bricht in ihre Kammer ein und öffnet die Tür zwischen beiden. Violetta lässt sich zögernd auf sein Werben ein. Doch auch als sie schon zusammen leben, bleibt das Thema "Projektion" bestimmend. Ihre Beziehung ist geprägt von den Bildern, die sich die Partner vom anderen machen. Während sie in Ruhe ein Buch lesen will, verfolgt er sie permanent mit der Cam. Selbst ihr Liebesspiel würde er am liebsten aufzeichnen.
Das 2. Bild des 2. Aktes findet während der Pause im Foyer statt. Mitten zwischen den Stehtischen der Zuschauer verspielt Alfredo sein Glück. Nach dem aktionreichen Pausenzwischenspiel ist Violettas Leiden unübersehbar: Assistiert von Alfredos Vater schminkt sie sich nicht die Schönheit sondern die Trauer und Verletzung ins Gesicht. Auch diese bleibt eine Projektion: Der Vater zeichnet ihre Abschiedsarie auf. Die gebrannte CD wird Violettas Abschiedsgeschenk für Alfredo sein.
Mit Rainer Holzapfel hat das Opernloft zu seiner ersten Premiere in den neuen Räumen in der City einen mutigen kreativen Kopf gefunden, der Neues, Spannendes und Faszinierendes wagt. Das hat sich rundum ausgezahlt. Nicht nur kamen die schönen, großzügigen Räumlichkeiten bestens zur Geltung, begeisterte das schlichte, sinnige Bühnenbild sondern faszinierte auch die ungewöhnliche Instrumentierung (Musikalische Leitung: Markus Bruker) mit Klavier, Klarinette und Akkordeon. Der Mut zahlte sich aus. Die spannenden neuen Klangfarben untermalten hervorragend die dröhnende Dramatik der Entwicklungen. "La Traviata" zeigt musikalische und inszenatorische Qualität, die einen würdigen Auftakt für das "neue" Opernloft setzt.
Birgit Schmalmack vom 17.2.11

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