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Luigi Cherubini hat den Mythos, den Euripides in Verse gebannt hat, vertont. Berühmt wurde die Oper durch ihre Interpretin: Maria Callas. Nach deren Tod geriet das Werk in Vergessenheit. Das Opernloft hat es wieder hervorgeholt. Dafür gibt es zwei gute Gründe: Cherubinis berührende Musik und eine Geschichte, die mit ihrer Wucht bis heute fasziniert.
Zwei Rolf-Mares-Preisträgerinnen arbeiten bei dieser Inszenierung zusammen: Inken Rahardt („Tolomeo“) führt Regie, Claudia Weinhart („Die Perlenfischer“) entwirft die Ausstattung.
Die Textfassung hat Susann Oberacker erstellt. Es singen zwei Opernsängerinnen, darunter die ebenfalls Rolf-Mares-Preis gekrönte Feline Knabe („Carmen“) als Kreusa. Dazu kommen eine Schauspielerin und ein Tänzer.
Es ist eine alte Geschichte: Medea, Herrschertochter aus Kolchis, verhilft dem Griechen Jason zum Goldenen Vlies, das ihr Vater einst einem Griechen abnahm. Sie und Jason werden ein Paar. Das flüchtet nach Korinth, bekommt zwei Kinder. Im neuen Land verguckt Jason sich in eine neue Frau – in die Königstochter Kreusa. Mit ihr will Jason seine Familie weiterleben – ohne Medea. Die rächt sich grausam: Sie tötet ihre und Jasons Kinder.
Im Opernloft ist der Beginn der Geschichte das Ende einer Ehe: Medea, die einst für Jason Heimat und Familie verraten hat, wird nun von Jason verlassen und ihrer Kinder beraubt. Was bleibt der betrogenen Frau? Inken Rahardt lässt mehrere Möglichkeiten durchspielen und spannt so den Bogen ins Heute: „In einer Gesellschaft, in der jeder vor allem an sich denkt, ist es schwierig zu entscheiden, was richtig und was falsch ist.“
Cherubini wurde im September 1760 in Florenz geboren. Er widmete sich mit 13 Jahren zuerst der Kirchenmusik und später den dramatischen Bühnenwerken. Medea ist seine vierzehnte und wohl berühmteste Oper. Er zog 1788 nach Paris. Gluck war sein großes Vorbild. Er schrieb insgesamt 15 Opern, arbeitete außerdem als Kapellmeister und Professor für Komposition. Später wurde er Direktor des Konservatoriums. Wegen seines schlechten Verhältnisses zu Napoleon verlor Cherubini schließlich jede öffentliche Unterstützung. Nach seinen Bühnenwerken widmete sich Cherubini nochmals der Kirchenmusik, aber auch der Kammermusik. Sein c-Moll Requiem wird hin und wieder auch in Deutschland gespielt. Er starb in Paris im Alter von 81 Jahren.
Mythos entzaubert
von Klaus Witzeling
Callas-Fans ist Luigi Cherubinis wenig bekannte Oper "Médée" ein Begriff. Die Diva hat mit den in Liebeshass und Rachedurst glühenden Arien der von Jason verstoßenen Zauberin eine ihrer Lebensrollen gefunden. Inken Rahardt bringt nun das selten gezeigte Juwel aus der musikdramatischen Weltliteratur nach dem Opernloft-Konzept als "OperaBreve" mit zwei Sängerinnen, einer Schauspielerin und einem Tänzer auf die Bühne.
Aus heutiger Sicht interessiert die Regisseurin weniger der griechische Mythos als der zeitlose Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau, der Konflikt um die gemeinsamen Kinder und die Suche nach dem Glück. Medea ist mit der Sängerin Osnat Kaydar und der Schauspielerin Bettina Steguweit zweifach besetzt. Steguweit spricht und spielt Monologe aus der Tragödie des Euripides.
Die Rolle von Jason, dem Mann zwischen Medea und seiner neuen Braut Kreusa (gesungen von Feline Knabe), übernimmt der Tänzer Markus Wegner. Inken Rahardt zeigt ihn nicht als Helden, vielmehr als passiven Egotypen. Die Regisseurin und Dramaturgin Susann Oberacker wagen nicht nur eine moderne Sicht auf den antiken Stoff, sondern auch einen spartenübergreifenden Ansatz für die Inszenierung mit Gesang, Schauspiel und Tanz. In der Musik mischen sich ebenfalls Klassik und Moderne: Im Arrangement der Partitur für Klavier und zwei Geigen setzt das Sopransaxofon einen heutigen, jazzigen Kontrapunkt.