Das Tagebuch der Anne Frank
Antares Musiktheater
„Die Leidenschaften, die das Buch entzündet, suggerieren, dass Anne Frank allen gehört, dass sie über den Holocaust, das Judentum, die Mädchenzeit und sogar die Tugend hinausgewachsen
und zu einer Totemfigur der modernen Welt geworden ist – der moralische, individuelle Geist, der von der Maschinerie der Zerstörung besetzt ist und auf das Recht pocht, für die Zukunft der Menschen zu leben, zu fragen und zu hoffen.“ (Roger Rosenblatt, Kinder des Krieges)
Am Freitag, den 10. Oktober 2008, um 20:00 Uhr feiert das ANTARES Musiktheater im Norden Premiere im OpernLoft Junges Musiktheater Hamburg mit Grigori Frids Mono-Oper um die Aufzeichnungen von Anne Frank.
Das Tagebuch des jüdischen Mädchens, das 1929 in Frankfurt geboren wurde und 1945 im KZ Bergen-Belsen starb, wurde zu einem literarischen Welterfolg. Trotz der Schrecken, vor denen ihre Aufzeichnungen entstanden, erzählt Anne nämlich auch die Geschichte eines heranwachsenden Mädchens: seiner Hoffnungen, Wünsche, seiner Freuden, Nöte und Konflikte. Mit der Veröffentlichung ihres Tagebuchs wurde Anne Frank zum Gegen-Symbol zur Taubheit der NS-Diktatur, die jede Individualität und jeden Idealismus derjenigen zerstören wollte, die sie zu Opfern werden ließ.
In seiner Mono-Oper von 1969 hat der russische Komponist Grigori Frid (geb. 1915) diesem lebendigen Geist der Anne Frank ein musikalisches Denkmal gesetzt. Auf der Grundlage des Original-Tagebuchs schildert die Oper in knappen Bildern das Schicksal des 13-jährigen Mädchens, das davon träumte, Schriftstellerin zu werden.
Das Wichtigste war dem Komponisten, der unter Stalin selbst Verfolgung erlebte,
„kein Wort am Text zu ändern, nichts hinzuzudenken“. Entsprechend orientierte er sich in der musikalischen Umwandlung des Libretto an der den Aufzeichnungen innewohnenden poetischen Tiefe und trägt so der Tragik des Erlebten gleichermaßen Rechnung wie Annes spielerisch-lyrischer Ausdruckskraft. Frids Verdienst ist es, in seiner unmittelbar wirkenden Musik die leichten, schweren und die überpersönlichen Seiten der Tagebucheinträge erlebbar zu machen.
In seiner Inszenierung mit Kinga Barbara Heymann als Anne konzentriert sich Regisseur Martin E.G. Anhalt auf die stringente Erzählung des Seelendramas der jungen Heranwachsenden, zwischen Angst und Sehnsucht, Verzweiflung und Spielfreude. Auf diese Weise vermag er die Balance zwischen der fortwährenden emotionalen Aktualität des Stoffes und der Einordnung in die Geschichte herzustellen.
Ensemble
ANTARES ist ein Ensemble aus professionellen Musikern, Darstellern und bildenden Künstlern, die sich die Pflege des Musiktheaters der letzten hundert Jahre zur Aufgabe gemacht haben. Besonderes Augenmerk widmet Regisseur Martin E.G. Anhalt dabei der intimsten Form, der Kammeroper. Das ANTARES-Ensemble präsentiert mit „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Grigori Frid seine erste eigene Produktion in Norddeutschland.
Martin E.G. Anhalt studierte in Hamburg bei Götz Friedrich Musiktheater-Regie. Er arbeitete u.a. mit Achim Freyer, Klaus Zehelein, Josef E. Köpplinger, Sergio Morabito, R. Christian Kube, Gottfried Pilz und Meihong Lin. In seinen Inszenierungen stellt er die oft hermetisch voneinander getrennten Gattungen Oper, Schauspiel und Tanztheater in neue, fruchtbare Zusammenhänge.
Nadia Belneeva studierte in Sofia, Hamburg und Basel. Als Pianistin und Korrepetitorin war sie u.a. beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, an der Staatsoper Hamburg, beim Schleswig-Holstein Musik Festival sowie beim Bundeswettbewerb Gesang und bei Meisterkursen in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Am Piano spielte sie 2004 mit dem Emsland Ensemble Grigori Frids „Anne Frank“ für den PROFIL Verlag ein.
Diana Piticas studierte an den Hochschulen in Lübeck und Hamburg bei James Wagner und Renate Behle. Sie wurde bei verschiedenen Wettbewerben ausgezeichnet, u. a. in Grenoble und Rumänien. Sie gastierte am Allee-Theater sowie an den Stadttheatern Lübeck und Bremerhaven, wo sie bereits 2007 die Rolle der "Anne Frank" in Grigori Frids Oper mit großem Erfolg sang.

