Rotkäppchen
Rotkäppchen - Einsatz im Wolfsrevier
Es gehört zu den absoluten Märchen-Klassikern der Gebrüder Grimm: das „Rotkäppchen“. Braves Mädchen, kranke Großmutter, böser Wolf – das sind die Protagonisten im Original. Das Opernloft hat den alten Stoff neu aufgearbeitet und zeigt ihn für Kinder ab 6 Jahren. Und böse ist hier höchstens noch der Jäger, der dem Wolf nachstellt. Denn dieses arme Tierchen gehört in der Opernloft-Fassung zur bedrohten Art.
Geschrieben hat das 70 Minuten lange Stück Markus Koch. Inszeniert wird es von Natascha Ursuliak. Für das Opernloft arbeiten sie als Team. Das Konzept haben sie gemeinsam entwickelt. Beide waren unter anderem Spielleiter an der Bayrischen Staatsoper und haben dort auch eigene Projekte erfolgreich auf die Bühne gebracht. Ihr Markenzeichen: Ihre Stücke sind ein bisschen anders, als man denkt, und immer gewürzt mit einer guten Portion Humor.
Und so gehen sie auch ans Grimmsche Märchen heran: Rotkäppchen trifft im Wald den Wolf, der sich vor dem Jäger versteckt. Das Mädchen beschließt, dem Wolf zu helfen und bringt ihn zu ihrer Großmutter, einst Tierärztin und immer darauf aus, Wölfen eine Wurmkur zu verpassen. Zu dieser lustigen Geschichte gibt’s allerlei fröhliches Liedgut – aus Opern und Operetten von Mozart und Johann Strauß, Händel, Rossini, Verdi und einigen anderen. Der Spaß ist garantiert, und etwas zum Lernen ist auch dabei: Der scheinbar Böse ist nicht immer wirklich der Böse – und nicht jeder Wolf ist gleich ein „Problemwolf“.
Musik
Rotkäppchen ist ein "Pasticcio". Das ist natürlich auch die italienische Bezeichnung für eine Pastete und für ein Pastagericht. In der Musik bezeichnet man mit Pasticcio eine Oper, die aus Teilen anderer Opern zusammengesetzt ist. Wer mehr darüber wissen möchte: Wikipedia
Musik aus Opern und Operetten von:
Mozart (Die Entführung aus dem Serail, Cosi fan tutte)
Strauß (Die Fledermaus)
Lorzing (Der Wildschütz)
von Weber (Der Freischütz)
Verdi (Don Carlos, Der Troubadour)
Händel (Acis und Galathea)
Rossini (La Cenerentola, Tancredi)
u.a.
Kritik Hamburger Morgenpost
Rotkäppchen – Einsatz im Wolfsrevier
Ganz schön pfiffig, dieses Rötkäppchen (Verena Schuster). In Natascha Ursuliaks Inszenierung der gleichnamigen Kinderoper hat das Mädchen alle Hände voll zu tun, das verrückte Treiben der Erwachsenen einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Der Jäger (Björn Tegler) sorgt als „staatlich legitimierter Würdenträger mit behördlicher Abschussgenehmigung“ für reichlich Turbulenzen, während die Großmutter (Yuliya Tabankova) „Problemwolf“ Knut ein zähmendes Aphrodisiakum verpasst. Musikalisch bedient man sich bei Mozart, Strauß, Rossini und anderen Klassikern. Den Text hat die Regisseurin zusammen mit Markus Koch neu geschrieben. Wäre schon das „echte“ Rotkäppchen so lustig gewesen wie diese Inszenierung im Opernloft, der Wolf hätte sich totgelacht und niemals die Großmutter gefressen.
Sören Ingwersen
Hamburger Abendblatt
Rotkäppchen, die Artenschützerin
Das Opernloft zeigt eine kurzweilige Neuerfindung des altbekannten grimmschen Märchens mit Arien von Händel bis Strauß.
Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Nur eine alte Geiß und ihre sieben Geißlein. Rotkäppchen fand schon bei den Brüdern Grimm am Isegrim nichts schlimm. Erst als der schlaue Kreidefresser trickst, ihre Großmutter frisst und sich ganz übel auch Rotkäppchen selbst einverleibt, wird dem Mädchen etwas mulmig.
In der flotten Märchenumdichtung von Markus Koch, kann der Wolf noch so garstig umherspringen und mit seinen behaarten Tatzen in der Luft herumkratzen. Erschrecken kann er niemanden mehr, und sein Scharfsinn und seine Tücke sind ihm auf dem Weg in die Neuzeit auch gänzlich abhanden gekommen. Gewonnen hat er dafür eine Riesenportion Charme.
Ein Schlückchen laktosefreie Milch, und der Wolf ist Rotkäppchens Freund
Frank Valet spielt und singt in diesem Opernpasticcio den Wolf, Knut Wolf. Der kann sich totärgern, dass bei seinem Namen alle immer an einen Eisbären denken. Rotkäppchen (Verena Schuster), eine coole Adelstochter in der Spätpubertät, durchstreift auf dem Weg zur Großmutter den mütterlichen Wald und macht sich den misstrauischen Wolf mit einem Schlückchen laktosefreier Milch zum Freund. Den einfältigen Jäger mit den roten Herzchenflicken auf dem Hosenboden kriegt sie auch leicht unter Kontrolle.
Und ihre Großmutter (Yuliya Tabankova) entpuppt sich als etwas draculös agierende Tierärztin, die schon Großvater Wolf nach einer zweifelhaften Wurmkur auf dem Gewissen hat und gern in entrückten Koloraturen vor sich hinkichert. Dass sie nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, sieht man auch daran, dass aus der schräg stehenden Anrichte hinter ihr dauernd Sachen verschwinden (Bühne: Claudia Weinhart).
Aus dem Munde der Damen und dem Wolfsrachen tönt es schön
Im Laufe der turbulenten, von Natascha Ursuliak inszenierten Geschichte erklingen zu Makiko Eguchis Klavierbegleitung hübsch gesungene Lieder und Arien von Händel über Mozart und Verdi bis zu Johann Strauß. Kinder ab sechs Jahren dürfen dabei sein.
Tom R. Schulz
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