Figaros Hochzeit
Figaros Hochzeit ist ein Highlight der Opernliteratur. So ist es nur konsequent, auch diese Oper in eine beliebte OperaBreve - Oper in kurz zu verwandeln.
Sie hat die wohl schönsten Melodien: Mozarts Oper „Figaros Hochzeit“. Wenn da nur nicht diese ermüdend langen Rezitative wären! Auf die verzichtet das Opernloft komplett. Das Opernloft bietet in der 90-minütigen „OperaBreve“-Version nur das Beste aus dem weltberühmten Werk: Cherubinos Loblied auf die Liebe, die berührende Kavatine „Porgi, amor“ der Gräfin, Susannas „Rosenarie“ und viele andere wunderbare Duette und Terzette, Ensembles und Arien.
In der Geschichte greifen Regisseurin Inken Rahardt und Ausstatterin Claudia Weinhart (Rolf-Mares-Preis 2009) zurück auf das einstige Liebespaar Graf Almaviva und Rosina. In Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ wurde der Beginn ihrer Liebe gezeigt. Mozart schrieb mit seinem „Figaro“ die Fortsetzung – kurioserweise 30 Jahre vor Rossini. Das ist möglich, weil beide Opern auf der noch älteren Vorlage von Beaumarchais basieren.
In der Inszenierung schlüpfen vier Sängerinnen in mehrere Rollen und zeigen, wie es so geht mit der ewigen Liebe. Die schwuren sich Graf Almavia und Rosina einst genauso, wie es nun Figaro und Susanna an ihrem Hochzeitstag tun. Doch was ist daraus geworden? Man lebt eine Weile zusammen, und die Leidenschaft ist erloschen. Der Graf macht sich an junge Frauen heran. Und die Gräfin will die Schwärmerei des jungen Cherubino nur allzu gern genießen. Das ist allerfeinste Komödie – und doch auch ein wenig melancholisch.
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Kritik NDR 90,3
Abendjournal, 7. 6. 2010, Elisabeth Burchhardt
Hamburger Morgenpost
Mozarts Klassiker neu interpretiert
„Figaros Hochzeit“ überrascht im Opernloft
Kann denn Liebe Sünde sein? Diese Frage stellt Wolfgang Amadeus Mozart gern in seinen komischen Opern. An seinem Meisterstück „Figaros Hochzeit“ versucht sich derzeit das Junge Musiktheater, dessen Interpretation überrascht: Vier Frauenstimmen genügen Regisseurin Inken Rahardt und Dramaturgin Susann Oberacker, um die schönsten Arien des jungen Paares Susanna und Figaro, des lüsternen Grafen Almaviva und seiner verzweifelten Gattin Rosina auf die Bühne des Opernlofts zu bringen. Eine aparte Idee: Die Sängerinnen sind halb Braut, halb Bräutigam. Die beiden Mezzosopranistinnen Soomi Hong und Susan Jebrini trumpfen in den Männerrollen auf und sorgen für Abwechslung und Pepp, vor allem in den zahlreichen Duetten. Eine ebenfalls ungewöhnliche aber durchaus harmonierende Wahl hat auch Markus Bruker getroffen, der Mozarts streicherlastiges Orchester durch Klavier, Oboe und Klarinette ersetzt: ein Volltreffer!
Kultura Extra
Der Weg ins Glück!?
Liebestrunken schreitet das Paar zum Traualtar. Vor Gott schwört es sich Treue bis in den Tod. Nun endlich ist es Eins. Und wie rosig die gemeinsame Zukunft aussieht! Traute Zweisamkeit, pure Leidenschaft, ewige Liebe. Oder etwa doch nicht...?
Was nach der Eheschließung alles kommen kann, zeigt das Hamburger Opernloft in seiner OperaBreve „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart. In der unkonventionellen Fassung von Inken Rahardt (Regie) und Susann Oberacker (Dramaturgie) braucht es dazu 90 Minuten und vier Sängerinnen, begleitet von Klavier, Oboe und Klarinette.
Gekleidet sind die Darstellerinnen halb in Hochzeitskleid, halb in Frack. Lediglich die Kopfbedeckung - Schleier oder Zylinder - verrät die Geschlechtszugehörigkeit. Die einheitliche Kleidung lässt keinen Schluss auf die Machtverhältnisse zu. Geschlecht und Status sind im Prinzip auch unwichtig, denn in dieser Inszenierung dreht es sich nicht um Sozialkritik und Aufklärung, sondern um erste Verliebtheit, rasende Eifersucht, Selbstzweifel, verbotene Leidenschaft, Seitensprünge und Liebeskummer. Und davon kann hier jede/r gleichermaßen betroffen sein.
Zwischen den hervorragend gesungenen Arien und Duetten ertönt eine pastorale Stimme. Sie predigt philosophisch und provozierend über den Sinn des Lebens, über Wege ins Glück und über das Liebesleben der Charaktere Figaro, Susanna, Cherubino, Rosina und Almaviva. Am Ende schreiten Figaro und Susanna zum Traualtar, doch die Liebe zwischen Rosina und Almaviva, die gerade noch ihre eigene Hochzeit feierten, zerbricht. Der Gesang verhallt, die Spannung bleibt. Ein richtiges Happy End gibt es nicht.
Ein sehr neuer Anstrich für Mozarts Oper, weit weg vom Original. Für so viel Mut gibt es langanhaltenden und verdienten Applaus.
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